…deshalb muss ich erzählen, was ich gestern zum ersten Mal so ganz bewusst sah. Ohne Vorwarnung.
Ich saß am Morgen im Bus zu meiner Arbeitsstelle und machte mir Gedanken über die Weltlage im Allgemeinen. Außerdem dachte ich, ob ich wohl Pflaster für die neuen Schuhe bräuchte. Vielleicht wäre zum Frühstück doch Magerquark besser gewesen? Ich machte Pläne für den Ruhestand, der nun bald, Inshallah, kommt, und überlegte, wohin mich die nächste Reise führen würde.
Dann hielt auf der gegenüberliegenden Straßenseite eine U-Bahn, und heraus stieg eine Frau. Zweifarbiges Haar, irgendetwas zwischen Rosa und Mausgrau oder Aschblond. Sie trug ein müdes, altes Gesicht. Leggins und einen Parka. Mit der rechten Hand hielt sie einen Jungen fest, vielleicht fünf Jahre alt, der sich steif machte und nicht den Eindruck erweckte, als würde er gern mitgehen. Machen sie ja manchmal, diese kleinen Heranwachsenden.
Mit der anderen Hand zog sie einen Einkaufstrolley hinter sich her. Kaum hatte sie die Tür des Waggons hinter sich gelassen, steuerte sie energisch stracks auf einen der Mülleimer zu, diese großen, die an den Haltestellen stehen, und schaute hinein. Ich sah Routine in ihrem Tun und Hoffnung, das sie dort etwas finden würde. Etwas, das ihr den Tag rettete. Vermutlich Pfandflaschen? Deshalb auch der Trolley.
Ein fünfjähriges Kind muss dabei zusehen, wie die Mutter, falls sie es war, Mülleimer durchwühlt. Was wird einmal aus dem Jungen? Dann sprang die Ampel auf unserer Seite zu Grün. Der Bus fuhr weiter.
.
