… am „Tag der Arbeit“ , also 1. Mai, mit E. zum Kiffen verabredet.
Es war eine längere Abstimmung, weil irgendwie immer was dazwischen kam.
Elternabend
Urlaub
Schnupfen
Aber jetzt, jetzt, wird es passieren. Wir suchen uns eine Bank im Park, weit weg vom Spielplatz. Wir werden unsere Sitzkissen von Tchibo unter unsere Popos schieben und dann…
Ja!
Was?
Wie ging das nochmal?
Gras aus Amsterdam in die langen Blättchen bröseln. Glaub‘ ich.
Oder E.? Wie ging das?
Quelle: Postkarte gestaltet von Inge Löök „aunties No. 8“
… war da noch diese Frau, gestern auf dem Gehweg unserer Stadtteileinkaufsmeile.
Ich hatte schon gleich das Gefühl, das da was mitschwang, etwas in ihrem Gang war auffällig. Etwas mit Emotionen, die so nicht zu greifen waren.
Man erkennt sich ja in anderen, wenn es in einem selber nistet.
Sie steuerte also zielstrebig auf den Eingang einer großen, schicken Supermarkt-Filiale, die mit dem rot-weißem Logo, zu.
Gut dachte ich, eine Realschul-Lehrerin geht zum Einkaufen. Hinweise auf Drogenkonsum, konnte ich nicht feststellen.
Sie blieb abrupt vor dem Eingang stehen, ging jedoch nicht weiter hinein, sondern hub an mit Schimpf. Unverständlichem Wort-Tetris der zur akustischen Herausforderung anschwoll. Dann ging sie den Weg ein Stück zurück, nahm kurz Anlauf, rannte gegen die geschlossene Tür des Geschäfts und schlug mit beiden Händen auf die rot-weißen Klebeschilder ein. Begleitet wurde ihr Tun erneut mit fortlaufendem Sound von Beschimpfungen.
Gegen wen oder was?
Ich hatte es aufgegeben, ihre Worte verstehen zu wollen oder was ihr Motiv hätte sein können.
… so traurig sie sind, für mich sind sie Veranstaltungen der nicht beherrschbaren Lachattacken.
Ich schäme mich dafür in Grund und Boden. Es tut mir so leid. Aber ich habe mich dann nicht mehr unter Kontrolle.
Vielleicht ein sehr persönlicher Weg, mit Abschied umzugehen?
Urheberin vor so vielen Jahren war die hochbetagte Tante Helene, die, weil sie ihr Hörgerät bei der Trauerfeier ihrer Schwester vergessen hatte, lautstark fragte: „Wo issn jezz die Urnee?“ Das alberne Gegacker meiner Cousine und Schwester?
Unvergessen.
Bei der Abschiedsfeier von Onkel Herbert saßen wir erneut in ungünstiger Konstellation. Meine Schwestern neben mir, vor uns unsere Mama. Die geräumige Kapuze ihrer Jacke ragte über die Stuhllehne. Da hatte ich dann plötzlich die Vision, man könne Geranien dort, anstatt in Balkonkästen, hineinpflanzen. Leise flüsterte ich meiner Schwester die Idee zu.
Es folgte, wie zu erwarten, ein Gackern, verbunden mit, vor lautlosem Lachen, bebenden Schultern.
Als ich sah, was ich damit angerichtet hatte, war ich kaum noch zu bändigen. Mühsam suchte ich nach Fassung, bekam deswegen kaum Luft und kniff mir grunzend in die Hand. Der letzte Ausweg: ich dachte an mathematische Gleichungen, bis dann echte Tränen liefen.
In einem Zug, wo Menschen hetzen, Liegt einsam eine Handtasche, vergessen. Sie ruht still, ohne Besitzerin zu seh’n, Allein, im Lichte der Bahn, so schön.
Die Handtasche erzählt Geschichten stumm, Von Reisen weit und vom Trubel drumherum. Sie war dabei in Städten und auf dem Land, Getragen von einer Hand, fest und sanft.
Doch jetzt liegt sie hier, verlassen, allein, Im Rhythmus des Zuges, in ihrem Schein. Vielleicht wird sie bald von jemandem gefunden, Der sie hegt und pflegt, bis zum nächsten Runden.
Denn eine Handtasche ist mehr als nur Stoff, Sie trägt die Erinnerungen, wohin auch oft. Im Zug der Zeit, im Strom der Reise, Bleibt sie ein treuer Begleiter auf leisen Weise.
… statt totstreicheln? Pest oder Cholera? Ob im Film oder mit den daily news. Ich werde weich gekocht und dagegen zu halten erfordert Kraft.
Hab ich, glaub ich, nimmer.
Fatalismus überall.
Was passierte in den letzten Jahren im Hintergrund? Sind wir jetzt im echten Leben angekommen? Nun schmerzhaft aufgewacht und festgestellt, hier wird nicht mehr gestreichelt, hier wird sinnlos, ja absolut sinnlos, gemetzelt, gemordet? Seit langer Zeit geplant. Und keiner wollte es sehen.
Nun tatsächlich keine neue Erkenntnis. Wir müssen klarkommen. Und wenn dann noch Trump Präsident wird. Und Putin bleibt – was klar ist – was geschieht dann mit uns? Meine Fantasie geht von Verbrüderung mit Wodka bis Abschlachten.
Vom großen Knall im Bruchteil von Sekunden, der jede *Zivilisation* vernichtet. Wer kann es stoppen? Wer? Wir rasen sehenden Augens in den Abgrund.
Don’t look up.
Ich rase gerade im ICE durch blühende Landschaften. Die Sonne kommt durch den Nebel, ein zartes Grün zeigt sich.