2026 Italien…

… es besuchte mich der Schmerz im Glück,

was Usus ist, steh‘ ich am Meer,

und schickt mich in die Zeit zurück

als nur ’ne Ahnung nach dem Mehr,  

also wie es geworden wird sein

wenn Nebel, Schleier, was auch immer

Ohne Pathos, Kitsch und falschem Schein

Das Geheime hinter Wellenglimmer 

nackig zeigen, schön und rein.

Viareggio 2. Januar 2026

Weihnachten 2025…

… eigentlich wollte ich…

über Konsumgier und Geld schreiben und Influenzer lächerlich machen. Und Botox, Abnehmspritzen, e-Scooter, Egoismus, E-Autos, Russen, Gaza, Israel, Kriege, AfD und Kack-Nazis sowie Trump gleich mit verarbeiten.

Aber dann dachte ich an Oma und an Gedichte, die sie in ihrer guten Stube im Advent vorgelesen hat. Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern und Eichendorff.

Deshalb frohe Weihnachten und Frieden für Mensch, Pflanzen und Tiere.

WEIHNACHTEN

Markt und Strassen steh’n verlassen
still erleuchtet jedes Haus
sinnend geh ich durch die Gassen
alles sieht so festlich aus.

An den Fenstern haben Frauen
buntes Spielzeug fromm geschmückt
tausend Kindlein steh’n und schauen
sind so wunderstill beglückt.

Und ich wandre aus den Mauern
bis hinaus ins freie Feld
hehres Glänzen, heil’ges Schauen
wie so weit und still die Welt!

Sterne hoch die Kreise schlingen
aus des Schnee’s Einsamkeit
steigt’s wie wunderbares Singen
Oh Du gnadenreiche Zeit!

Joseph Freiherr von Eichendorff (1788-1857)

Alles wird irgendwann gut!

Heute war einer der Tage…

… an denen Schwerkraft und Aufmerksamkeit weniger gut harmonieren.

Der Bodenbelag im Supermarkt schrie mich ja förmlich an: „Lass los!“. Und schon ließ ich locker.

Wie eine Mutter mit offenen Armen nahm das graue Linoleum  im Discounter  meine Einkäufe entgegen.

Einkaufswägen sind nun mal was für uncoole Schwächlinge.

Ein deutliches „Platsch“ war das Geräusch. Hämisch!

Gemüse, Brot, Eier… Was macht ihr denn da unten? Der Lauch schien mich breit anzugrinsen.

Warum mir das in letzter Zeit öfter passiert? Ich habe meine eigene Theorie. Ich begreife die Dinge manchmal nicht. Also, ich meine, dass meine Hände nicht mehr BEgreifen wollen.

Ich verliere Kontrolle, alles entgleitet, irgendwie.

Oder?

Vielleicht ist es auch der richtige Moment, Kontrolle abzugeben und freier zu leben?

Das Unwichtige vom Wichtigen zu trennen und dann das, was zu ändern ich in der Lage bin, zum Besten wandeln.

Natürlich nicht für alle.

Sortieren, Einordnen, Entsorgen.

Ah, jetzt begreife ichs!

Aber warum der Lauch so doof grinste?

Ach Leute…

… es ist so schauderlich. Meine Freundin Melancholie stand heute so mir nichts, dir nichts vor der Tür.

„Hi“ , sagte sie, „dachte, die Zeit ist günstig für meinen jährlichen Besuch.“

Und seit exakt 16:53 Uhr hockte sie hier rum, an meinem Bett, in das ich mich larmoyant verzogen habe. Sie sagte die ganze Zeit nichts, sondern ließ mich nicht aus den Augen.

Meine Augen füllten sich derweil mit kleinen Tränen, in erster Linie, weil das Wetter doof ist und außerdem dräut es, demnächst noch früher dunkel zu werden.

Darüber hinaus, quasi als Folge, wollte ich plötzlich wieder ein Kind sein, im Herbst, in meiner kleinen Großstadt, in meinem Nest. Mein Vater müsste aus der Stadt nach Hause kommen und eine Tüte mit frischen, sorry, Mohrenköpfen in der Hand haben. Das war sein Ritual an Freitagen.

Und in meinem Erinnerungs-Setting waren wir als Kinder nach den Hausaufgaben mit Mama Kastanien auf der Schillerwiese am Waldrand sammeln.  Wieder daheim bohrten wir Streichhölzer in die braunen, glänzenden Bäuche der Früchte, beklebten sie mit Stoffresten und gaben ihnen bunte Kleider und Namen. Diese Herbstfamilien wohnten dann bis auf weiteres in einer alten Schuhschachtel.

Ja, so wollte ich das haben! Nur noch einmal.

Genau heute! Und ich wurde in der ganzen Sehnsucht so traurig, weil das alles schon so lang vorbei ist und nie mehr so sein wird.

Die Melancholie schaut mich an.

Dann stehe ich aus dem Bett auf, schnappe mir die gekauften Pfeffernüsse aus der Küche und eröffne hiermit  die vorweihnachtliche Saison 2025. Dann hole ich die Gläser aus Paris vom Regal und den Öffner vom Ritz-Carlton aus der Schublade und ziehe den Korken aus der Flasche. Der Dschinn entfleucht augenblicklich und schickt die Melancholie ganz tief in die Erinnerungskiste.

So leb‘ denn wohl! Bis 2026…

Aufschieberitis…

Ich prokrastiniere

Du prokrastinierst

Er – Sie – Es…

Ich leide vorallem, es macht mich fertig, denn ich klebe fest mit meinen Ideen, Vorsätzen, Aufgaben.

Ausweg „Letzter Drücker?“ Das Internet bietet unheimlich viele Lösungen und Erklärungen für diesen Zustand.

Eigentlich setze ich gern um, erschaffe Dinge. Warum hänge ich gerade beim Schreiben ab? Finde tausend andere Todos. Beispiel :

Ich nehme mir vor, endlich meine Story zu bearbeiten, denn eigentlich ist sie fertig. Stattdessen lege ich Wäsche, spiele online-Scrabble, trage Termine ein, die ich dann doch wieder verschiebe.

Geschichten schreiben, ist wichtig für mich, wenn ich dann anfange, läuft es auch. Aber bin ich gut genug? Kann ich das überhaupt richtig? Langweile ich die Menschen, die das lesen sollten & wollen?

Außerdem käme ich nie auf die Idee, Sätze wie: „Ich habe eine so tolle Geschichte geschrieben, willst du mal lesen?“ zu sagen. Allein das Adjektiv „toll“ stinkt für mich dermaßen nach Eigenlob.

Trotzdem hat diese Person Erfolg damit und wird dann auch noch veröffentlicht.

Aber das bin ich nicht. Das ist nicht meine Strategie. Aber wie ist denn eigentlich meine?

Ich will gefunden werden. Aber ohne Duftmarke funktioniert das nicht. Vielleicht habe ich ja Angst vor dem Erfolg? Wenn das so wäre, müsste der Hochstapler nebst Syndrom getötet werden.

Darüber sollte ich in meinem Blog mal schreiben. Thema:

Wie ermorde ich meinen Imposter?

Hey, eine blutige Story bahnt sich an. Ich könnte ihn literarisch ausbluten lassen. Er quält mich schon seit langer Zeit.

Cliff Barnes & the fear of winning. Wer kennt denn den noch? Der ANDERE aus der Straßenfegerserie von 1981 Dallas? Cliff war stets der Gegenspieler – und somit looser – von JR Ewing und kam nie auf einen grünen idF Öl- Zweig.

Aber stimmt das denn überhaupt? Hab ich Angst vor Erfolg?

Bekannt klebrige Stimmen die sagen: „… was die sich man immer alles  einbildet? Soll ma nich vergessen wo se herkam. Glaubt wohl sie iss wass besseres. Die spinnt ja“.

Nun damit bin dann wohl ich gemeint.

Das „Fräulein Klugschnack“ .

Fazit: alle nunmehr geschriebenen Erkenntnisse deuten massiv darauf hin, dass als Nullnummer entlarvt zu werden, die Ursache für das Aufschieben sein könnte.

Ich muss sie tilgen und töten, die geglaubte Hochstaplerin in mir.

Aber zuvor, muss ich das Ceranfeld vom Herd reinigen.

Sonst kann ich nicht beginnen – ich alte Struwwelliese.

Quelle: beam-shop.de

„Willst du…

… eigentlich meinen Erinnerungen Gesellschaft leisten?“ frage ich den gammeligen Gedanken, der zumeist den Einstieg am Morgenfenster nimmt und dabei widerliche, alte, klebrige Textur verschenken möchte.

„Werde ich drüber nachdenken“, flötet er. „Melde mich nach dem Frühstück in zwei, drei Tagen“ und mäandert durch das trübe Licht davon.

Er ist ein doofes Arschloch!

Ich werde ihn künftig ignorieren.

Im-mobil…

… ich habe mich getrennt…bin nunmehr allein auf zwei Beinen.

Von der Vorstellung kess und knapp bekleidet, verschwitzt durch ein morgendliches Training ins Leben zu treten, bin ich entfernt.

Ich habe mich dabei geirrt.

Ich war der Ansicht, durch sportliche Sexyness ein Straßenfeger zu sein.

Auf meinem Ex-Tourenrad mit 21 Gängen.

Und dieser Kauf, für viel Geld, war ein Fehler. Sie, also die Radschlampe, und ich waren nie Freundinnen. So bff mässig.

Sie hat mich in einer engen Kurve in Schleswig-Holstein abgeworfen und ließ mich am Knie blutend zurück.

Das war das Ende. Nun sitzt ein Jüngling auf und bereitet ihr hoffentlich viel Spaß.

Milf = Mit inniger Liebe fahren!

Tja, und ich?

Meine schönste mobile Zeit hatte ich ehrlicher Weise  auf einem schwarzen Rad der Marke WANDERER von Tante Frieda. Die war zwar Zeugin Jehova, dafür das Rad jedoch weltlich tiptop.

Und als Zweiradeln noch nicht bedeutete, in grellgelber Kampfmontur neben Testosteronbombern in den Straßenkampf zu ziehen, sondern Freude am Fahren ohne Helm meinte, war mein Rad-Leben perfekt.

Ich werde mir nun ein gebrauchtes Radel kaufen, lila anmalen, Friedenstauben als Sticker kleben, meine pinke Latzhose aus der Erinnerungskiste klauben und den Wind in den Haaren genießen.

Und nur um die Gladiatoren auf Sätteln zu ärgern, werde ich ganz langsam die drei Gänge betätigen und manchmal auch den Rücktritt.

Wir müssen Zeichen setzen.

Peace!

Es fehlen die Sticker!

 

Ode an einen Feigenkaktus auf Lanzarote

Ich sehe dich unerwartet an,

im

Vorbeifahrn,

profan gepflanzt

im Autokreisel,

dreier Straßen,

auf einer Insel 

im Atlantik.

Die, kreiert vom erloschenen Feuer,

in stiller Magie im Jetzt verharrt.

Wald?

Nein!

Wiesen?

Nein!

Die Mondhaut stand hier Patin.

Freilich, fehlen da oben Sonne, Meer und Wolken – Grau.

Und du stehst hier in Grün-Rosé.

In Schönheit, aufrecht, still in der Sonne, lagerst Wasser ein – kenn ich auch – und treibst Blüten auf glatter Haut.

Und Stacheln

Du wappnest dich.

Wir haben so vieles gemeinsam.

Opuntia ficus-indica.

Du wunderschöner Kaktus auf der Lava-Insel im Atlantik.

Ahhhhhh… jezze hab‘ ichs

… ich bin doch ein Kleverle.

Meine Erschöpfung und Kraftlosigkeit haben nämlich nichts mit Long Covid oder ähnlichem zu tun.

Nein!

Die Erklärung ist simpel wie genial und ganz natürlich.

Ich kann das Alter nicht mehr aufhalten!

Vielleicht geht es mit Bildern besser. Nun stell‘ dir doch mal eine Schwelle, eine TÜR Schwelle vor.

Haste? Genau!

Hinter dieser Tür also, Eiche oder so, lauert das Alter. Seit Jahren stemmst du dich mit aller dir zur Verfügung stehenden Kraft, dagegen; jeden Tag, 24/7.

Aber dann irgendwann, an Tag x oder heute, wirst du schwach, du gibst dich hin.

Lässt die Tür los und trittst einen oder zwei Schritte zurück.

Voll von grimmiger Erwartung, durchaus ängstlich und deshalb bis an die Zähne mit unzähligen Creme-Tuben und Hormon-Pillen bewaffnet, stehst du da.

Damit hatte die Tür wohl nicht gerechnet, sie öffnet sich schwungvoll, fällt zu Boden und bricht auseinander. (Ist halt auch nicht mehr die Jüngste). Und als sich dann der Staub gelegt hat, erkennst du im hellen Licht ein Füllhorn.

Na klar, ein faltiges Füllhorn.

Außen solide und  einer Handelskogge ähnlich. 

Von innen leuchtet es, bebt es lebendig.

Üppig, prall, bunt.

Du erkennst darin bekannte Gesichter, verschlungene Körper, Farben, Musik, weise Worte, Kinderlachen, Tränen, Trost, Güte und Liebe.

Ja, und natürlich auch die Dinge, die immer in solchen Füllhörnern sind, Früchte, Fasane, Sanduhr, Totenkopf etc..pp

Das Füllhorn nickt mir freundlich zu, ich grüße zurück.

Lächele.

Strecke mich, hole tief Luft.

Huste kurz, richte mein Nachthemd.

Gehe in die Küche und werfe mit Wonne dieses widerliche Kollagen-Pulver in den Müll.

Bah.

Wer produziert denn so etwas?

Was ’ne dumme Idee….

also wirklich….

Hier nicht im Bild, der Fasan, Sanduhr, Joint, Rotwein und… äh, Namen vergessen…egal!